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Jahresabschluss-rede 2016 von Hermann Gaßner

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, verehrte Kolleginnen und Kollegen des Stadtrates,

 Wenn man über eine Jahresabschlussrede nachdenkt, stellen sich immer einige Fragen ein. Einige kurze Gedanken sollen es sein, denn das meiste ist sicherlich schon gesagt. Dem würdigen Anlass angemessen, vielleicht etwas Denkwürdiges als Jahresschlussbetrachtung. Doch das feige Attentat am Breidscheidplatz in Berlin geht einem nicht mehr aus dem Kopf, es macht wütend, es macht sprachlos. Trotzdem und vielleicht auch gerade deshalb ein paar Ereignisse zum Nachdenken:

- Was passierte in Teilen von Deutschland, in Österreich, Ungarn, Polen, den Niederlanden und aktuell in Amerika; was tritt nächstes Jahr bei den Wahlen in Frankreich ein?

- Wie sieht der eigene Wertekompass, Wertekodex aus?

- Warum muss ein Flüchtling, der bei uns voll integriert ist, abgeschoben werden, weil er aus einem „sicheren Herkunftsland“ kommt, und im Gegensatz dazu werden zahlreichen Menschen ein Bleiberecht eingeräumt, obwohl sie unser Grundgesetz missachten, die Menschenrechte und Menschenwürde ignorieren, Gleichberechtigung und andere Religionen ablehnen?

- verändern die Terroranschläge in Europa unser Zusammenleben?

- Darf die Freiheit soweit gehen, dass sie Ausgangspunkt zur Zerstörung der Freiheit wird?

- Ist es den sog. „reichen Ländern“ egal, dass täglich, lt.Welthungerhilfe, 7000 Kinder unter 5 Jahren an den Folgen von Mangelernährung sterben?

- Wäre es nicht sinnvoller, Gelder vor Ort, also in den Krisenregionen für Bildung, Arbeit, Struktur usw. einzusetzen?

- Konnte man sich ein 1000jähriges Hochwasser mit seinen Folgen nur annähernd vorstellen?

- Wie geht es jetzt den Betroffenen?

- Hat sich auch bei den unzähligen Helfern etwas verändert?

Der Katalog der Fragezeichen ließe sich unendlich fortsetzen…!

Aber ich möchte Sie heute alle mitnehmen auf eine imaginäre Reise in zwei Länder:                           

 

Das erste Land zählt zu den ärmsten der Welt, führt in Korruption, hat praktisch keine Infrastruktur. Das Analphabetentum ist weit über 50%, Mangelernährung und Naturkatastrophen gehörten zum Alltag.                                                                                                                                                                 

Auch das zweite Land ist nicht reich, hat aber durch den Tourismus eine gute Einnahmequelle, die Hotels und Strände sind mit Sternen ausgezeichnet. Eine geordnete Regierung mit einer gut ausgebauten Infrastruktur.

Im Land eins ist man froh, wenn man eine Strecke von 250km unter 10 Std mit dem Auto schafft, wenn es etwas Gemüse zum täglichen Reis mit Linsensoße gibt. Man jeden 2. Tag sein Handy aufladen kann, weil es zufällig Strom gibt und eine Kerze bereitsteht damit man auch nachts etwas Licht hat.  

Im Land zwei sind die Sitzbezüge des Taxis leicht fleckig, das zugegeben reichhaltige Buffet weist Schwächen auf( das Steak ist zu durch, im Fisch war eine Gräte und der Weißwein ist zu warm). Im Zimmer ist es zu schwül weil die Klimaanlage ausfiel, auf der Toilette ist das Verfallsdatum der Duftkerzen abgelaufen um am Strand trifft man auf die Einheimischen.

Ich denke, Sie wissen worauf ich hinaus will:

Im ersten Land ist die Erwartungshaltung gering, man arrangiert sich mit dem was man hat, geht gelassener und zufriedener mit den Widrigkeiten um. Man macht viele positive Erfahrungen und kehrt bescheidener vom Urlaub zurück. Gründe für Klagen gibt es keine.

Im zweiten Land sieht man vor lauter „gravierender Mängel“ nicht mehr die Schönheit des Landes, der Kultur, der Strände und die Freundlichkeit der Menschen. Kurzum das „Negative“ überwiegt, man hat bei der Rückkehr genügend Gründe um zu klagen.

 

Kann so etwas auch in Pfarrkirchen passieren?

- Wir haben eine fast abgeschlossene Innenstadtsanierung, eine bestens aufgestellte Infrastruktur, engagierte Vereine, eine sehr positive Haushaltslage.  Aber: Ist man mit dem  Innenstadtleben wirklich zufrieden?

- Wir haben das Weit und breit schönste Schwimmbad mit den niedrigsten Preisen und den längsten Öffnungszeiten. Aber in der Diskussion steht nur der missglückte Umbau der Sanitäranlage.

- Wir haben es endlich geschafft, dass ca. 350 Studenten in Pfarrkirchen leben, es sollen soziale Wohnungen für Studenten, Familien und Flüchtlinge entstehen. Aber: Nicht in einer normalen Nachbarschaft.

- Man möchte den Bodenverbrauch, die Versiegelung möglichst gering halten um auch mehr Grünflächen anbieten zu können. Aber: Wie viele Stockwerke dürfen es sein?

- Man möchte städtische Hoch-und Tiefbauvorhaben möglichst mit viel staatlicher Förderung abwickeln.  Aber: Geht es auch schnell genug?

 

In der Kürze der Zeit möchte ich mich nur auf diese Beispiele beschränken.

Um nicht Missverstanden zu werden:

Diskussionen, Meinungsverschiedenheiten und kritische Hinterfragungen sind äußerst wichtige Instrumente. Aber es geht auch um die Art und Weise wie Kritik hervorgebracht wird.

Ein „Sehr geehrte/sehr geehrter“ am Anfang, und „mit freundlichen Grüßen“ am Schluss, sind fast makaber wenn dazwischen die Sachlichkeit, Höflichkeit, Dialogbereitschaft und der Respekt fehlen.

Darum möchten Wir einen Hohen Respekt und großen Dank an alle aussprechen, die zum Wohl der Stadt Pfarrkirchen Ihren Anteil geleistet haben, sei es die Kommune, Vereine und Verbände und die ehrenamtlich engagierten Menschen.

 

Eingestellt von: Rudi Noehbauer – 15. Jan 2017